| Antrag: | Die Zeit ist reif für einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan |
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| Antragsteller*in: | Sarah Prenger |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 27.04.2026, 20:27 |
Ä1 zu A5: Die Zeit ist reif für einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan
Titel
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Die Zeit ist reif.
Antragstext
I. Die Zeit ist reif für Frauen in der Verkündigung
I.1. Frauen in Lesungstexten
„Die Heilige Schrift bezeugt die herausragende Rolle vieler Frauen in der Heilsgeschichte. Einer Frau, Maria Magdalena, wurde die erste Verkündigung der Auferstehung anvertraut. […] Es ist wichtig, dass die Schriftstellen, die diese Geschichten erzählen, in den liturgischen Leseordnungen angemessenen Raum finden.“
(Schlussdokument, 60; vgl. auch Bericht Studiengruppe 5, Teil 2, 8–9; 38)
Die Leseordnungen für Sonn- und Werktage berücksichtigen viele Frauen der Bibel nicht oder ignorieren durch Kürzungen die Glaubenszeugnisse und Lebenserfahrungen dieser Frauen.[1] Die folgenden Schriftstellen verdeutlichen dies exemplarisch:
- Im Lesungstext aus Gen 16,1–16 fehlen die entscheidenden Verse 13 und 14 mit dem Gottesbekenntnis der Hagar: „Du bist El-Roï – Gott schaut auf mich“ (Gen 16,13).
- Im Lesungstext aus Spr 31,10–31 wird durch die Auslassungen aus dem „Lob der tüchtigen Frau“ letztlich ein Lob der tüchtigen Hausfrau in einem rein familiären Aktionsradius. Die „Tendenz, das ‚Weibliche‘ ausschließlich mit Rollen aus der häuslich-familiären Sphäre zu identifizieren“ (Studiengruppe 5, Teil II, Nr. 4), ist bis in die Leseordnung hinein greifbar.
- Es ist unverständlich, dass die Perikope Lk 13,10–17 im Lesejahr C nicht als Sonntagsevangelium vorgetragen wird. So wird das Befreiungshandeln an der verkrümmten Frau durch Jesus am Sabbat übergangen.
Rund 60 Jahre, nachdem die jetzige – und damals fortschrittliche – Leseordnung etabliert wurde, ist es an der Zeit, die biblischen Frauen angemessen zu berücksichtigen und in ihrem Glaubenshandeln sichtbar werden zu lassen.
Das Zdk setzt sich dafür ein, dass in einem ersten und schnell realisierbaren Schritt die aktuelle Leseordnung auf einseitige Kürzungen und Zuschnitte der Perikopen überprüft wird. Das ZdK will für eine entsprechende Ansprache der römischen Kurie auch die Deutsche Bischofskonferenz und weitere Akteur*innen gewinnen.
I.2. Frauen als Verkünderinnen des Evangeliums
Der Bericht von Studiengruppe 5 zitiert Papst Franziskus: „Wir haben in der Kirche nicht genug auf die Stimme von Frauen gehört“ (Bericht Studiengruppe 5, Appendix IV, 24). Auch wenn Maria Magdalena die Erstzeugin der Auferstehung ist, so sind heute am herausgehobenen Ort der Verkündigung die Stimmen von Frauen viel zu selten zu hören. Ihre Lebenswirklichkeiten fehlen in der Homilie der Eucharistiefeier weitgehend. Der Bericht von Studiengruppe 5 deutet an, dass die Erstverkündigung durch Maria Magdalena „konkrete Konsequenzen für die Partizipation von Frauen in der Kirche haben könnte“.
Das ZdK unterstreicht diesen Gedanken: Frauen sollten künftig in allen Bistümern mit der Homilie in der Eucharistiefeier beauftragt werden. Das ZdK erinnert an die zeitnahe Umsetzung des entsprechenden Beschlusstextes des Synodalen Weges.
II. Die Zeit ist reif für eine konkrete Teilhabe von Frauen
„Das männliche Geschlecht wurde im Laufe der Geschichte und weit über die Grenzen der kirchlichen Gemeinschaft hinaus als das Bezugsmodell für das Verständnis der Menschheit in ihrer Gesamtheit herangezogen." […] Daraus resultiert „ein System, das es Frauen erschwert, ihre erworbenen Kompetenzen und Charismen zum Ausdruck zu bringen“ […] „Hinzu kommt die Tendenz, das 'Weibliche' ausschließlich mit bestimmten Eigenschaften wie Sanftmut, Nachgiebigkeit, Docilität und Schwäche zu identifizieren oder mit Rollen aus der häuslich-familiären Sphäre. All dies verlangsamt die Etablierung einer kirchlichen Sprache, die ganz auf die Reziprozität zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen abzielt, verstanden in der gleichen, spezifischen und fundamentalen Würde.“
(Bericht Studiengruppe 5, Teil 2, 4; vgl. Schlussdokument der Synode, 52).
- Im Schlussdokument der Synode und dem Bericht von Studiengruppe 5 löst das Paradigma der Reziprozität jenes der Komplementarität der Geschlechter ab; es beinhaltet Beziehungen auf Augenhöhe, in der alle Beteiligten Gebende und Annehmende zugleich sind.[2] Geschlechterbeziehungensollen auf allen Ebenen kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens durch Reziprozität gekennzeichnet sein.
Das ZdK plädiert dafür, das Konzept der Reziprozität künftig durch die Verwendung dieses Fachbegriffs in den deutschen Übersetzungen römischer Dokumente sichtbar zu machen.
- Der Bericht der Studiengruppe 5 spricht die stärkere Teilhabe von Frauen in der Leitung der Pfarreien mehrfach an (Teil 2, 3.32). Gemeindeleitung und die Taufbeauftragung von Lai*innen gehören unabdingbar zusammen. Insbesondere der Bericht von Studiengruppe 5 zielt für solche Dienste auf kirchenrechtliche Regelungen auf Ebene der Bischofskonferenzen. Ermutigend können hierfür auch Beispiele der Taufspendung durch Laien aus der Weltkirche sein.
Das ZdK erinnert an die zeitnahe Umsetzung des entsprechenden Beschlusstextes des Synodalen Weges. Die deutschen Bischöfe sollen alle kirchenrechtlich gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen (CIC can 230 § 3 /can. 517 § 2 und can. 516) und unter anderem die außerordentliche Taufspendung in allen Bistümern ermöglichen.
- "Die Frage des Zugangs von Frauen zum Diakonat war [...] noch nicht reif, sodass die Möglichkeit offen blieb, die Arbeit zur Vertiefung der Rolle von Frauen in der Leitung von Gemeinschaften und zu anderen möglichen Wegen der Mitwirkung fortzusetzen" (Bericht Studiengruppe 5, Teil 2, 3). Diakonat und Leitungspositionen von Frauen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die weltkirchliche Vernetzung und der theologische Austausch zu Frauen in sakramentalen Ämtern sollen ausgebaut und unterstützt werden. Die Stimmen berufener Frauen aus allen Kontinenten der Weltkirche waren in Veranstaltungen am Rande der letzten Weltsynode in Rom eindrucksvoll zu hören.
- Die Frage des Frauendiakonats ist dabei nicht zu trennen vom spezifischen Profil des Ständigen Diakonats einerseits und der Frage nach einer regional unterschiedlichen Ausgestaltung der Dienste und Ämter in der Kirche andererseits.
Das ZdK hält diese Stimmen wach und arbeitet gemeinsam mit der DBK und weiteren Akteur*innen an konkreten Umsetzungsvorschlägen, auf Grundlage des Prinzips einer „Einheit in Vielheit“.
III. Die Zeit ist reif für einen Frauen-Gipfel im Vatikan
Die „Frauenfrage“, die immer mit anderen Gerechtigkeitsfragen verknüpft ist, ist ein Zeichen der Zeit (vgl. Bericht Studiengruppe 5, Teil II, 5; Bericht Studiengruppe 2). Daher ist die Zeit dafür reif, jetzt die Stimmen von Frauen zu hören. Es ist Zeit für einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan!
Schon frühere Gipfel im Vatikan haben sich für eine Bearbeitung von aktuellen Fragen bewährt. Sie waren getragen von der synodalen Erfahrung des reziproken Zuhörens. Und sie haben die Lebens- und Berufungszeugnisse von Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Gleichzeitig bietet er die Chance, wissenschaftliche Impulse aus Theologie und anderen Disziplinen zu integrieren und Akteurinnen und Akteure aus allen Erdteilen solidarisch zu vernetzen. Ein Frauen-Gipfel im Vatikan kann an dieses Konzept anschließen.
Die „Frauenfrage“ in der Kirche verlangt nach einem globalen und regionalen Handeln zugleich.
Das ZdK wirkt, auch im Rahmen der zukünftigen Synodalkonferenz, auf einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan hin und wird diesbezüglich auch auf die Deutsche Bischofkonferenz zugehen.
[1] Vgl. die Publikationen Katholisches Bibelwerk, Unerhört. Auf den Spuren biblischer Frauen, Stuttgart 2025, und Annette Jantzen, Die ignorierten Frauen der Bibel, Freiburg 2026.
[2] Vgl. Martina Bär/Julia Enxing, Reziprozität statt Komplementarität? Erkundungen zur veränderten kirchlichen Rezeption der Geschlechterverhältnisse, erscheint Freiburg, April 2026.

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