| Veranstaltung: | Vollversammlung des ZdK Mai 2026 |
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| Antragsteller*in: | Dr. Katrin Brockmöller, Ruth Fehlker, Dr. Maria Flachsbarth, Jutta Flüthmann, Christiane Fuchs-Pellmann, Ulrike Göken-Huismann, Dr. Regina Heyder, Anja Karliczek, Lucia Lagoda, Monika Mertens, Birgit Mock, Sr. Philippa Rath OSB, Andrea Redding, Dr. Dorothea Reininger |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 14.04.2026, 23:04 |
A5: Die Zeit ist reif für einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan
Titel
Antragstext
„Die Heilige Schrift bezeugt die herausragende Rolle vieler Frauen in der
Heilsgeschichte. Einer Frau, Maria Magdalena, wurde die erste Verkündigung der
Auferstehung anvertraut. […] Es ist wichtig, dass die Schriftstellen, die diese
Geschichten erzählen, in den liturgischen Leseordnungen angemessenen Raum
finden.“
(Schlussdokument, 60; vgl. auch Bericht Studiengruppe 5, Teil 2, 8–9; 38)
Die Leseordnungen für Sonn- und Werktage berücksichtigen viele Frauen der Bibel
nicht oder ignorieren durch Kürzungen die Glaubenszeugnisse und
Lebenserfahrungen dieser Frauen.[1] Die folgenden Schriftstellen verdeutlichen
dies exemplarisch:
- Im Lesungstext aus Gen 16,1–16 fehlen die entscheidenden Verse 13 und 14
mit dem Gottesbekenntnis der Hagar: „Du bist El-Roï – Gott schaut auf
mich“ (Gen 16,13).
- Im Lesungstext aus Spr 31,10–31 wird durch die Auslassungen aus dem „Lob
der tüchtigen Frau“ letztlich ein Lob der tüchtigen Hausfrau in einem rein
familiären Aktionsradius. Die „Tendenz, das ‚Weibliche‘ ausschließlich mit
Rollen aus der häuslich-familiären Sphäre zu identifizieren“
(Studiengruppe 5, Teil II, Nr. 4), ist bis in die Leseordnung hinein
greifbar.
- Es ist unverständlich, dass die Perikope Lk 13,10–17 im Lesejahr C nicht
als Sonntagsevangelium vorgetragen wird. So wird das Befreiungshandeln an
der verkrümmten Frau durch Jesus am Sabbat übergangen.
Rund 60 Jahre, nachdem die jetzige – und damals fortschrittliche – Leseordnung
etabliert wurde, ist es an der Zeit, die biblischen Frauen angemessen zu
berücksichtigen und in ihrem Glaubenshandeln sichtbar werden zu lassen.
Das Zdk setzt sich dafür ein, dass in einem ersten und schnell realisierbaren
Schritt die aktuelle Leseordnung auf einseitige Kürzungen und Zuschnitte der
Perikopen überprüft wird. Das ZdK will für eine entsprechende Ansprache der
römischen Kurie auch die Deutsche Bischofskonferenz und weitere Akteur*innen
gewinnen.
Der Bericht von Studiengruppe 5 zitiert Papst Franziskus: „Wir haben in der
Kirche nicht genug auf die Stimme von Frauen gehört“ (Bericht Studiengruppe 5,
Appendix IV, 24). Auch wenn Maria Magdalena die Erstzeugin der Auferstehung ist,
so sind heute am herausgehobenen Ort der Verkündigung die Stimmen von Frauen
viel zu selten zu hören. Ihre Lebenswirklichkeiten fehlen in der Homilie der
Eucharistiefeier weitgehend. Der Bericht von Studiengruppe 5 deutet an, dass die
Erstverkündigung durch Maria Magdalena „konkrete Konsequenzen für die
Partizipation von Frauen in der Kirche haben könnte“.
Das ZdK unterstreicht diesen Gedanken: Frauen sollten künftig in allen Bistümern
mit der Homilie in der Eucharistiefeier beauftragt werden. Das ZdK erinnert an
die zeitnahe Umsetzung des entsprechenden Beschlusstextes des Synodalen Weges.
„Das männliche Geschlecht wurde im Laufe der Geschichte und weit über die
Grenzen der kirchlichen Gemeinschaft hinaus als das Bezugsmodell für das
Verständnis der Menschheit in ihrer Gesamtheit herangezogen." […] Daraus
resultiert „ein System, das es Frauen erschwert, ihre erworbenen Kompetenzen und
Charismen zum Ausdruck zu bringen“ […] „Hinzu kommt die Tendenz, das 'Weibliche'
ausschließlich mit bestimmten Eigenschaften wie Sanftmut, Nachgiebigkeit,
Docilität und Schwäche zu identifizieren oder mit Rollen aus der häuslich-
familiären Sphäre. All dies verlangsamt die Etablierung einer kirchlichen
Sprache, die ganz auf die Reziprozität zwischen dem Männlichen und dem
Weiblichen abzielt, verstanden in der gleichen, spezifischen und fundamentalen
Würde.“
(Bericht Studiengruppe 5, Teil 2, 4; vgl. Schlussdokument der Synode, 52).
- Im Schlussdokument der Synode und dem Bericht von Studiengruppe 5 löst das
Paradigma der Reziprozität jenes der Komplementarität der Geschlechter ab;
es beinhaltet Beziehungen auf Augenhöhe, in der alle Beteiligten Gebende
und Annehmende zugleich sind.[2] Geschlechterbeziehungensollen auf allen
Ebenen kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens durch Reziprozität
gekennzeichnet sein.
Das ZdK plädiert dafür, das Konzept der Reziprozität künftig durch die
Verwendung dieses Fachbegriffs in den deutschen Übersetzungen römischer
Dokumente sichtbar zu machen.
- Der Bericht der Studiengruppe 5 spricht die stärkere Teilhabe von Frauen
in der Leitung der Pfarreien mehrfach an (Teil 2, 3.32). Gemeindeleitung
und die Taufbeauftragung von Lai*innen gehören unabdingbar zusammen.
Insbesondere der Bericht von Studiengruppe 5 zielt für solche Dienste auf
kirchenrechtliche Regelungen auf Ebene der Bischofskonferenzen. Ermutigend
können hierfür auch Beispiele der Taufspendung durch Laien aus der
Weltkirche sein.
Das ZdK erinnert an die zeitnahe Umsetzung des entsprechenden Beschlusstextes
des Synodalen Weges. Die deutschen Bischöfe sollen alle kirchenrechtlich
gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen (CIC can 230 § 3 /can. 517 § 2 und can. 516)
und unter anderem die außerordentliche Taufspendung in allen Bistümern
ermöglichen.
- "Die Frage des Zugangs von Frauen zum Diakonat war [...] noch nicht reif,
sodass die Möglichkeit offen blieb, die Arbeit zur Vertiefung der Rolle
von Frauen in der Leitung von Gemeinschaften und zu anderen möglichen
Wegen der Mitwirkung fortzusetzen" (Bericht Studiengruppe 5, Teil 2, 3).
Diakonat und Leitungspositionen von Frauen dürfen nicht gegeneinander
ausgespielt werden. Die weltkirchliche Vernetzung und der theologische
Austausch zu Frauen in sakramentalen Ämtern sollen ausgebaut und
unterstützt werden. Die Stimmen berufener Frauen aus allen Kontinenten der
Weltkirche waren in Veranstaltungen am Rande der letzten Weltsynode in Rom
eindrucksvoll zu hören.
- Die Frage des Frauendiakonats ist dabei nicht zu trennen vom spezifischen
Profil des Ständigen Diakonats einerseits und der Frage nach einer
regional unterschiedlichen Ausgestaltung der Dienste und Ämter in der
Kirche andererseits.
Das ZdK hält diese Stimmen wach und arbeitet gemeinsam mit der DBK und weiteren
Akteur*innen an konkreten Umsetzungsvorschlägen, auf Grundlage des Prinzips
einer „Einheit in Vielheit“.
Die „Frauenfrage“, die immer mit anderen Gerechtigkeitsfragen verknüpft ist, ist
ein Zeichen der Zeit (vgl. Bericht Studiengruppe 5, Teil II, 5; Bericht
Studiengruppe 2). Daher ist die Zeit dafür reif, jetzt die Stimmen von Frauen zu
hören. Es ist Zeit für einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan!
Schon frühere Gipfel im Vatikan haben sich für eine Bearbeitung von aktuellen
Fragen bewährt. Sie waren getragen von der synodalen Erfahrung des reziproken
Zuhörens. Und sie haben die Lebens- und Berufungszeugnisse von Menschen in den
Mittelpunkt gestellt. Gleichzeitig bietet er die Chance, wissenschaftliche
Impulse aus Theologie und anderen Disziplinen zu integrieren und Akteurinnen und
Akteure aus allen Erdteilen solidarisch zu vernetzen. Ein Frauen-Gipfel im
Vatikan kann an dieses Konzept anschließen.
Die „Frauenfrage“ in der Kirche verlangt nach einem globalen und regionalen
Handeln zugleich.
Das ZdK wirkt, auch im Rahmen der zukünftigen Synodalkonferenz, auf einen
weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan hin und wird diesbezüglich auch auf die
Deutsche Bischofkonferenz zugehen.
[1] Vgl. die Publikationen Katholisches Bibelwerk, Unerhört. Auf den Spuren
biblischer Frauen, Stuttgart 2025, und Annette Jantzen, Die ignorierten Frauen
der Bibel, Freiburg 2026.
[2] Vgl. Martina Bär/Julia Enxing, Reziprozität statt Komplementarität?
Erkundungen zur veränderten kirchlichen Rezeption der Geschlechterverhältnisse,
erscheint Freiburg, April 2026.
Begründung
Einleitung und Hintergrund:
Die Analysen der Weltsynode „Für eine synodale Kirche. Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ und des Synodalen Wegs in Deutschland sind eindeutig: Trotz der gleichen Taufwürde „stoßen Frauen weiterhin auf Hindernisse, wenn es darum geht, ihre Charismen, ihre Berufung und ihre Rolle in allen verschiedenen Bereichen des kirchlichen Lebens umfassender anzuerkennen“ (Schlussdokument Weltsynode, 60). Jetzt ist die Zeit der Umsetzung der verschiedenen Dokumente, jetzt ist ebenso die Zeit, die „Frauenfrage“ in der Kirche anzugehen: auf die Stimmen von Frauen zu hören, geschlechtsspezifische Diskriminierung abzubauen, die Teilhabe auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens zu erweitern und Frauen zu ermöglichen, ihrer Berufung zu folgen. Es ist ein Zeugnis für das Evangelium, wenn Geschlechterverhältnisse so gestaltet sind, dass sie die gleiche Würde und Reziprozität aller Menschen respektieren (vgl. Schlussdokument Weltsynode, 52).
Jetzt ist die Zeit, dass auf die Empfehlungen der Weltsynode, des Synodalen Wegs in Deutschland und der Berichte von Studiengruppe 5 und 2 konkrete Schritte der Umsetzung folgen. Für die Ortskirche in Deutschland knüpfen wir als ZdK mit diesem Antrag an die folgenden Punkte an:
